Lomond still
Bezeichnung für eine spezielle Form von
stills zur Herstellung von Malt Whisky, die in den fünfziger Jahren in einigen schottischen Brennereien neben den normalen
pot stills installiert wurden. Der Grund für die neuen Brennblasen war, daß Hiram Walker, damals Besitzer dieser Destillerien, für seine Blends 42 Malts brauchte, aber nur sechs Brennereien besaß. Der junge Ingenieur Alistair Cunningham (später Managing Director von Allied Distillers) bekam 1955 von seinen Chefs den Auftrag herauszufinden, ob und wie eine Brennerei mehrere verschiedene Malts produzieren könne. Nach Experimenten mit der
Maische schlug er eine neue Form von stills vor. Sie sollten nicht bauchig, sondern zylindrisch sein und in ihrem Kopf bewegliche Kupferplatten haben. Das erste Paar wurde in Dumbarton eingebaut, wo herkömmliche pot stills den Inverleven produzieren. Ebenfalls ein Paar kam neben die stills in Glenburgie und Miltonduff. In Scapa wurde nur die bisherige
wash still durch einen der neuartigen Apparate ersetzt. Um die Malts unterscheiden zu können, bekamen sie, bis auf den Scapa, neue Namen: Lomond in Dumbarton, Mosstowie in Miltonduff und Glencraig (nach dem Nordschottland-Chef der Firma) in Glenburgie. Die Kupferplatten brachten dann aber doch nicht den erhofften Erfolg und wurden zuerst in Lomond, dann auch in Scapa entfernt. Überhaupt wurde die Sache Anfang der achtziger Jahre wieder aufgegeben, vor allem, weil der Bedarf an Inverleven, Glenburgie und Miltonduff stieg. Die Lomond stills wurden abgebaut, um Platz für Erweiterungen mit pot stills zu schaffen. Entsprechend selten und gesucht sind
die Malts. Nur in Scapa ist noch die Lomond still zu bestaunen, aber auch dort ruht die Produktion seit mehreren Jahren. In den meisten Whiskybüchern steht zu lesen, daß die Lomond-Malts »öliger und schwerer« als die mit den anderen Brennblasen der vier Brennereien wären. Sie waren es nicht. Auch wenn das »Whisky Magazine« im Frühjahr 1999 die Behauptung wiederholte: Sie ist falsch. Man kann sich leicht davon überzeugen, wenn man die Malts verkostet. Beim Lomond werden das zwar die wenigsten können, weil es von ihm überhaupt nur ein Faß gab, das abgefüllt wurde. Aber den Mosstowie gibt es und er ist leichter als der Miltonduff. Der Glencraig ist süß und fruchtig und keineswegs schwer. Der Scapa ist eine Ausnahme, aber der wird ein zweites Mal in einer herkömmlichen
spirit still destilliert. Befragt, welche Meinung nun richtig sei, antwortete William F. Bergius, Director of Brand Heritage bei Allied: »Der Plan war, mit einer still mehrere Whiskies zu produzieren und sie sollten reicher sein als das vorher in der betreffenden Brennerei möglich war. Theoretisch sollte die gleiche still sehr komplexe, aber auch sehr leichte Whiskies produzieren. Die Praxis folgte leider nicht diesen Hypothesen. Die neuen stills produzierten eben keine reicheren Whiskies, auch die Idee mit der range funktionierte nicht und alle Lomond stills, wo sie auch waren, machten ganz im Gegenteil elegante und leichte Whiskies. Das Geheimnis des Scotch hat wieder einmal gewonnen!«