Rye
Amerikanische Whiskeyart. Es gibt heute nicht mehr sehr viele Beispiele von ihr, dabei ist sie historisch gesehen die älteste des Landes und wird von vielen auch für die beste und ausdruckvollste unter allen amerikanischen Whiskeys gehalten. Als die irischen und schottischen Einwanderer in ihrer neuen Heimat das Getränk herzustellen versuchten, das sie von zu Hause kannten, waren sie auf das Getreide angewiesen, was sie vorfanden und auf dem Boden am besten kultivieren konnten. Offensichtlich hatten sie nicht die in Schottland und Irland verwendete Gerste zur Verfügung, sondern mußten sich mit Roggen zufriedengeben. Maryland und Pennsylvania gelten als die Bundesstaaten, in denen im 18. Jahrhundert Whiskey aus Roggen destilliert wurde, während später, als die Siedler auf den Spuren von Daniel Boone und anderen Pionieren nach Kentucky kamen, vor allem mit Mais gearbeitet wurde. Vom Bourbon, dem heute weitverbreitetsten Whiskeytyp der USA, unterscheidet sich der Rye nur durch das unterschiedliche Ausgangsmaterial, ansonsten ist alles gleich. Das amerikanische Gesetz schreibt vor, daß ein Straight Rye aus einer Maische gemacht sein muß, die zu mindestens 51% aus Roggen besteht (beim Bourbon sind es 51% Mais). In der Praxis sind es mehr und die fehlenden Anteile sind Mais oder Weizen und zu etwa 10% bis 15% Gerstenmalz, das die Fermentierung leichter macht. Der hohe Roggenanteil gibt dem Rye eine trockene Bitterkeit, die sehr ausgeprägt ist. Sie ist es, die ihm einerseits leidenschaftlichen Zuspruch eingebracht, möglicherweise auf der anderen Seite aber dazu geführt hat, daß er seine Bedeutung verloren hat.
Vieles spricht dafür, daß sich die Amerikaner während der Prohibition von 1920 bis 1933 seiner »entwöhnt« haben. Damals gab es, wenn überhaupt, nur geschmuggelten kanadischen und schottischen Whisky - Arten, die in jedem Fall leichter sind als der Rye. Es kam zu einer Veränderung des amerikanischen Whiskeygeschmackes und dazu, daß der Rye nahezu in Vergessenheit geriet. Noch vor einigen Jahren konnte man die verbliebenen Ryes an einer Hand abzählen: Jim Beam führte eine Rye-Version, es gab den Old Overholt, den Pikesville, den Rittenhouse und einen Wild Turkey Rye. Einige neue Anbieter erweiterten die schmale Gruppe, vor allem die Familie Van Winkle erwarb sich dabei Verdienste. In San Fransisco überraschte Fritz Maytag die Whisk(e)ywelt mit der Kreation eines aus Roggen destillierten Malts, des Old Potrero.